LGs neueste Produktreihe mit dem Buchstaben „X“ in der Bezeichnung kombiniert Mittelklasse-Smartphones mit ausgewählten Funktionen, die normalerweise im High-End-Segment der Smartphonesparte vorzufinden sind. Das LG X Cam zeichnet sich durch ein besonderes „X-tra“ im Bereich Kamera aus. Ob auch die Qualität der Kameramodule „X-tra“ gut ist, erfahren Sie in unserem Testbericht.
Ähnlich wie auch das aktuelle Flagship-Smartphone-Modell G5 des koreanischen Herstellers LG besitzt das Modell X Cam eine rückseitige Dual-Hauptkamera mit zwei Modulen: eine 13-MP-Hauptkamera (75° Standardwinkel) sowie ein 5-MP-Weitwinkel-Modul. Darüber hinaus besitzt es eine hochauflösende Frontkamera (8 MP) für Selfieaufnahmen.

Zur weiteren Ausstattung des Mittelklasse-Smartphones gehört neben einem MediaTek MT6753 Octa-Core-Prozessor, der von 2 GB RAM unterstützt wird, ein 2.500 mAh großer Akku. Der interne eMMC-Speicher umfasst 16 GB und kann mittels microSD-Karte erweitert werden.

Mit einer UVP von 299 Euro positioniert sich das LG X Cam in einem der am härtesten umkämpften Smartphone-Segmente und die Reihe an möglichen Konkurrenten ist dementsprechend lang. Für den Testbericht ziehen wir das Lenovo Moto G4, ZTE Blade V7, OnePlus X sowie das Huawei P9 Lite als Vergleichsgeräte heran. Als Testreferenz dient der „große Bruder“ LG G5. 
Auch wenn das LG X Cam auf den ersten Blick den Anschein erweckt aus Aluminium gefertigt zu sein, besteht das Mittelklasse-Smartphone aus einem silbernen Kunststoffgehäuse. Im Vergleich zu Geräten mit Glas- (OnePlus X) oder Metallrückseite (ZTE Blade V7) geht dem LG X Cam etwas an Wertigkeit verloren. Die Ränder um das 5,2 Zoll große Display wirken relativ groß, was sich im Display-Oberflächen-Verhältnis von knapp 69 Prozent widerspiegelt. Nichtsdestotrotz liegt das nur 6,9 Millimeter dünne Smartphone mit einem Gewicht von 118 Gramm angenehm in der Hand.

Die Stabilität des Kunststoffgehäuses ist zufriedenstellend - trotz der flachen Bauweise tritt nur durch starkes Ausüben von Druck auf der Rückseite eine Wellenbildung auf dem Display auf. Die verbauten Kunststofftasten besitzen gute Druckpunkte und lassen sich gut erreichen.
Der interne eMMC-Speicher fällt mit 16 GB für ein Gerät mit dem Schwerpunkt Kamera nicht sehr großzügig aus - nach Abzug des Betriebssystems bleiben dem Nutzer circa 10,15 GB zur freien Verfügung. Immerhin kann der Speicher mittels microSD-Karten um bis zu 2 TB erweitert werden und das Auslagern von kompatiblen Apps auf die SD-Karte (App2SD) wird ebenfalls unterstützt.

Zum Aufladen des Smartphones dient eine Micro-USB-2.0-Schnittstelle an der Unterseite des Gerätes, ein Anschluss externer Datenträger via USB-OTG funktioniert nicht. Zur weiteren Ausstattung des LG Smartphones gehört eine Status-LED für Benachrichtigen sowie ein NFC-Chip. Das LG X Cam unterstützt zudem zum kabellosen Medienstream: Miracast, Wifi Direct, Android Beam und DLNA. Die drahtlose Übertragung von Displayinhalten auf einen externen Monitor funktioniert im Test mit einem Sony Android TV problemlos.

Bei der Systemsoftware setzt LG auf eine modifizierte Benutzeroberfläche basierend auf der aktuellen Google-Android-Version 6.0 „Marshmallow“. Das Hersteller-User-Interface erinnert nur wenig an Googles Stock Android. Das App- und Ordner-Design sowie der fehlende App Drawer (ab Werk) entsprechen der Designsprache des koreanischen Herstellers. Auch die Animationen treten stark in den Vordergrund, was der subjektiven Performance des Systems nicht unbedingt zugutekommt. In den Entwickleroptionen sind letztere aber abschaltbar. Schnellzugriffe für die Kamera und Notizen (Capture +) sind vorhanden. Zudem kann das Gerät mittels der Geste „Doube-Tab-to-Wake“ entsperrt werden.

Für die drahtlose Kommunikation zwischen mobilen Endgeräten verfügt das LG X Cam über Bluetooth in der Version 4.2 sowie NFC (Near Field Communication). Darüber hinaus ist WLAN nach dem Standard 802.11 b/g/n an Bord. Die Empfangsqualität des integrierten WLAN-Moduls ist gut und die Dämpfung mit knapp -42 dBm in unmittelbarer Nähe zum Router (Telekom Speedport, W921V) gering. Die mittleren Raten der Datenübertragung zu unserem Referenz-Router (Linksys EA8500) aus 1 Meter Entfernung sind mit 50 Mbit/s (übertragen) und 42 Mbit/s (empfangen) aber auf einem typischen Niveau für Einsteigergeräte.

Ins mobile Internet geht das LTE-Smartphone mit bis zu 150 Mbit/s in den Downloads und 50 Mbit/s in den Uploads (LTE Cat. 4). Unterstützt werden dabei LTE in den Frequenzen 800, 1.800, 2.600 MHz sowie Quadband-GSM und Quadband-UMTS. Der Empfang (D-Netz) war in der Großstadt zufriedenstellend.
Die mobile Ortung wird via integriertem A-GPS-Empfänger ermöglicht. Die Positionsbestimmung im Freien gelingt auf etwa 2 Meter genau. Auch innerhalb geschlossener Räume kam ein ausreichend gutes Satellitensignal zustande, um die Position zu orten. In unserem praxisnahen Test, bei dem die Wegdistanz mithilfe des GPS-Moduls des Mittelklassesmartphones und des GPS-Fahrradcomputers Garmin Edge 500 parallel aufgezeichnet wird, zeigt das LG X Cam auf der gut 12 Kilometer langen Strecke Abweichungen von etwa 300 Meter zu dem Profi-GPS-Referenzgerät. Für ein Gerät der Mittelklasse ist die erreichte Genauigkeit vergleichsweise schlecht. 
LG greift bei seinem Modell X Cam auf die hauseigene Telefon-App zurück - diese bietet die üblichen Funktionen wie eine Anrufliste und ein integriertes Telefonbuch.

Die Klangqualität des Ohrhörers war im Test nicht zufriedenstellend. Die Sprachausgabe unseres Gesprächspartners wurde undeutlich und mit Hall versetzt wiedergegeben. Dabei haben wir sowohl Testanrufe über Skype als auch über das D-Mobilfunknetz (Vodafone) getätigt. Die Sprachqualität des Mikrofons war hingegen gut und sorgte für eine ausreichende Verständlichkeit unsererseits. 
Die Frontkamera des LG X Cam bietet, ähnlich wie das LG G5, eine 8 Megapixel hohe Auflösung (2.448 x 3.264 Pixel, 4:3). Die Optik sorgt bei guten Lichtverhältnissen für qualitativ zufriedenstellende Ergebnisse. Einen Autofokus besitzt diese nicht, dafür besteht die Möglichkeit, Bildreiche durch Antippen des Displays unterschiedlich zu belichten.

Das Dual-Kameramodul besteht aus einer 75°-Standard-Winkel-Kamera mit einer Auflösung von 13 Megapixeln (4.160 x 3.120 Pixel) sowie einer 5-MP-Kamera (2.560 x 1.920 Bildpunkte) mit einem Weitwinkel von 120°. Die Offenblende beträgt f/2.0. Für ein Gerät der Mittelklasse sind die Fotoaufnahmen mit der 13-MP-Cam unter guten Lichtbedingungen überzeugend, wirken im Vergleich zum LG G5 aber etwas unscharf (Szene 1 & 2: Umgebung & Wald). Zudem fällt der Dynamikumfang in den Fotos zu gering aus, wodurch die Aufnahmen bei stark unterschiedlichen Lichtbedingungen stark abdunkeln. Unter Low-Light-Bedingungen nimmt starkes Bildrauschen und eine deutlich sichtbare Unschärfe in den Fotos (Szene 2: Straße) zu. Aufnahmen mit der 5-MP-Weitwinkel-Kamera wirken etwas blass und kontrastarm. Zudem ist die Low-Light-Performance der Optik schlechter als bei der Standard-Winkel-Hauptkamera.

Videoaufnahmen können mit dem LG X Cam in einer Qualität von maximal 1080p bei 30 Fps aufgezeichnet werden. 
Wählen Sie eine Szene und navigieren Sie im ersten Bild. Ein Klick ändert die Zoomstufe. Ein Klick auf die vergrößerten Bilder öffnet das Original in einem neuen Fenster. Das erste Bild zeigt das skalierte Photo von dem Testgerät.
Zubehör und Garantie

Neben dem Smartphone selbst lagen in der Verpackung eine Bedienungsanleitung sowie ein USB-Kabel und modulares Netzteil zum Aufladen des Akkus. Außerdem fügt der Hersteller dem Lieferumfang des LG X Cam In-Ear-Kopfhörer hinzu.

Die Steuerung des Gerätes geschieht über die üblichen drei Andoid-Onscreen-Tasten für „Zurück“, „Multitasking“ und „Homescreen“. Der kapazitive Multi-Touchscreen reagiert schnell und zuverlässig. Als Eingabemöglichkeit wird ab Werk die LG eigene “Smart Keyboard“-Tastatur vorinstalliert. 
Das 5 Zoll große LC-Display des LG X Cam löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf, was zu einer Pixeldichte von rund 424 PPI führt. Im Alltag sorgt die gebotene Auflösung für eine scharfe Darstellung von Displayinhalten.

Die Panelleuchtkraft ist mit maximal 362 cd/m² für die meisten Anwendungsszenarien zwar ausreichend hell, wird aber von der Konkurrenz deutlich übertroffen. Bei der Messung der Displayhelligkeit mit gleichmäßig verteilten hellen und dunklen Flächen (APL 50) konnten wir einen sehr ähnlichen Wert von 363 cd/m² ermitteln.
Sowohl das Kontrastverhältnis von 1:1.448 als auch der Schwarzwert von 0,25 cd/m² (APL-50: 0,26 cd/m²) sind auf einem sehr guten Niveau für ein Mittelklassegerät. Die Analyse mit einem Fotospektrometer und der CalMAN Software zeigt vergleichsweise geringe Abweichungen in der Farb- (6,8) und Graustufendarstellung (8,4). Die gemessene Farbtemperatur ist mit 8.242 Kelvin etwas zu kühl (Idealwert: 6.500 Kelvin) und ein leichter Blaustich ist erkennbar.
Das sehr gute Kontrastverhältnis von 1:1.448 sorgt auch im Freien für eine gute Ablesbarkeit der Flüssigkristallanzeige. Aufgrund der relativ geringen maximalen Helligkeit des Panels sind Inhalte bei direkter Sonneneinstrahlung aber nur schwer ablesbar. Die Blickwinkel sind IPS-typisch und selbst bei sehr flachen Betrachtungswinkeln werden Displayinhalte relativ farbtreu dargestellt.
Der im LG X Cam zum Einsatz kommende MediaTek MT6753 ist ein in 28 Nanometern gefertigter ARM-SoC (System-on-a-Chip) und verfügt über 8 CPU-Kerne auf Basis der 64-Bit-fähigen Cortex-A53-Architektur. Das Zusammenspiel aus Octa-Core-SoC und 2 GB DDR3 RAM sorgen im Alltag für eine größtenteils flüssige System- und Browser-Performance, allerdings empfanden wir die Animationen der LG UI fast schon störend langsam. Im Vergleich zur Qualcomm-Konkurrenz (Lenovo Moto G4, OnePlus X) muss sich das LG X Cam in den meisten synthetischen Benchmarks deutlich geschlagen geben – aber auch ein Huawei P9 Lite bietet eine bessere Prozessor-Performance als das LG Gerät.

Die Geschwindigkeit des 16 GB großen eMMC-Flashspeichers verhält sich analog zu der ermittelten SoC-Leistung des LG X Cam. Mit Ausnahme in der Lesegeschwindigkeit bewegen sich die Zugriffraten deutlichen hinter der übrigen Mittelklassekonkurrenz. Auch der MicroSD-Kartenslot ist nicht auf dem Leistungsniveau wie die Vergleichsgeräte. Wir haben die Geschwindigkeit des LG X Cam mit einer Toshiba Exceria Pro M401 (max. 95 MB/s Lesen und 80 MB/s Schreiben) überprüft und mit lediglich 37 MB/s beim Lesen und rund 19 MB/s beim Schreiben bildet es das Schlusslicht im AndroBench-3-Test.
Die im MediaTek MT6753 integrierte Grafikeinheit Mali-T720 MP4 besitzt vier Cluster, die bis zu 600 MHz takten. Aktuelle Spieletitel aus dem Android Play Store wie N.O.V.A 3 oder Need for Speed No Limits bewältigt die Mali-GPU flüssig. Der Touchscreen reagiert im Spieletest zudem schnell und akkurat.
Das LG X Cam erwärmt sich im Idle-Betrieb relativ gleichmäßig. Während im Test auf der Vorderseite 36,8 °C gemessen werden, weist die Rückseite nur eine geringfügig niedrigere maximale Oberflächentemperatur von 34,1 °C auf. Unter Lastbedingungen steigen die Temperaturen insbesondere im oberen Drittel der Gerätevorderseite stark an. Da diese Bereiche des Smartphones bei normaler Haltung größtenteils unberührt bleiben und die gemessenen Werte bei dem LG Gerät vergleichsweise gering ausfallen, fällt die Abwärme im Alltag nicht negativ auf. 
Der auf der Rückseite positionierte Lautsprecher ist mit knapp 85 dB(A) ausreichend kraftvoll, die Wiedergabequalität wirkt bei zunehmender Lautstärke aber blechern. Das Klangbild im hörbaren Bereich ist nur wenig linear – Bässe sind nicht wahrnehmbar. Uns konnte die Wiedergabequalität des Monolautsprechers im LG Gerät nicht überzeugen.

Für ein besseres Klangerlebnis kann alternativ der 3,5-mm-Klinkenanschluss genutzt werden
In puncto Leistungsaufnahme liegt das LG X Cam im Mittelfeld unserer Vergleichsgeräte – nur das OnePlus X weist ein deutlich besseres Energiemanagement auf. Das in der Ausstattung (SoC, Displaypixeldichte) sehr ähnliche ZTE Blade V7 besitzt nur minimal bessere Gesamtverbrauchswerte.
In unserem praxisnahen WLAN-Test (Displayhelligkeit auf 150 cd/m², Energiesparprofil) erreicht das LG X Cam mit 7 Stunden und 37 Minuten einen guten Messwert. Dennoch liefert der 2.500-mAh-Akku, gemessen an der Konkurrenz im mittleren Preissegment, vergleichsweise schlechte Laufzeiten.

Mit dem beiliegenden 5-Watt-Netzteil (1 A, 5 V) benötigt das LG Gerät knapp 3 Stunden um den Akku von 0 auf 100 Prozent aufzuladen.
Das Mittelklassemodell X Cam aus dem Hause LG punktet in unserem Test mit einem kontrastreichen IPS-Full-HD-Panel, sowie einer sehr guten Handlichkeit. Es ist gut verarbeitet, bietet aber ein für diese Preisklasse billig anmutendes Kunststoffgehäuse - hier zeigt sich die Mittelklassekonkurrenz aus Glas- (OnePlus X) oder Metallwerkstoffen (ZTE Blade V7) deutlich wertiger.

Gemessen an der Konkurrenz bietet das LG X Cam bei einem derzeitigen Preis von etwa 280 Euro zu wenig. Bei entsprechender Marktentwicklung (Preissenkung) kann es trotzdem für den einen oder anderen zu einer interessanten Alternative werden – bei den aktuellen Anschaffungskosten, wie wir finden, eher nicht.

Die Besonderheit und Namensgeber des Geräts ist die Dual-Kamera auf der Rückseite, bestehend aus einem Standard- (75°) und einem 120°-Weitwinkel-Modul. Die Aufnahmenqualität der beiden Kameras ist gut, fällt jedoch im Vergleich zu einem LG G5 (ebenfalls mit Dual-Kamera ausgestattet) sichtbar ab – bei einer UVP von 300 Euro hätte LG durchaus eine gleichwertige Optik wie beim derzeitigen Flagship-Gerät als Alleinstellungsmerkmal des Mittelklassesmartphones verbauen können.

Abstriche müssen ebenfalls in der Prozessorleistung gemacht werden. Der MediaTek-SoC im LG X Cam kann mit der Performance andere Mittelklasse-Smartphones nicht mithalten - gleiches gilt für die Geschwindigkeit des 16 GB großen eMMC-Flashspeichers. Zudem ist die Klangqualität des im LG X Cam verbauten Lautsprechers nicht sonderlich überzeugend.